Leseprobe aus Freddy Rabak`s Buch „Adieu Rotlicht-Milieu“


EXCLUSIV: Auszug aus Freddy Rabak´s neuen Buch „Adieu Rotlicht-Milieu“. „Es war einmal die Wiener Unterwelt“

Ordnungshüter
Blödheiten können köstlich sein,
Blödheit nicht.
Alberto Moravia

Sterne strahlen, weil sie von Sonnen angestrahlte Himmelskörper sind. Menschen strahlen, wenn es ihnen gut geht oder Erfolge erzielen. Auch in der Dunkelheit. Stars jeder Kategorie auf unserer Erde strahlen bis in unsere Wohnzimmer, weil sie riesige Summen kassieren, und wir alle für sie die Sonne ersetzen. Aber Bankkonten benötigen kein Licht, lieben die Dunkelheit…
Im irdischen „Universum“ gibt es aber auch sehr viele schwarze Löcher wie Friedhöfe, Gefängnisse, Kriege. Manche dieser schwarzen Löcher tarnen sich auch gerne als unberechenbare und alles verschlingende Religionen, verstecken sich hinter Parteiprogrammen und Gesetzen…
Im Universum Erde gibt es auch eine Unzahl von Monden und Kometen, die mit und ohne „Schweif“, „Milchstraße“ meiden. Eine spezifische Kategorie, deren Umlaufbahnen stets um Bars oder Kneipen auch mit freien, nicht astronomisch geschulten Auge, zu beobachten ist. Sie setzen sich einer ungewissen und doch erforschten Finsternis aus, die nicht selten in einem schwarzen Loch endet…
Doch was ist mit jenen Phänomenen, die sich für andere aufopfern, ohne in den Schlagzeilen zu stehen? Wie Filzlaus- oder Fußpilz-Züchter, um nur einige zu nennen. Wer denkt auch an den einfachen Installateur, der im Schweiße seines Angesicht unsere Häuser vor Überschwemmungen bewahrt, und in finsteren und feuchten Kellern, von Ratten, Spinnen und Kakerlaken bedroht, einen Rohrbruch behebt? Oder die selbstlosen Immobilienmakler, die selbst bei 40° Hitze mit Edel-Krawatte und Mass-Anzug unentwegt sind, und mit steten Strahlelächeln versuchen, uns mit Waben in Termitenbauten glücklich zu machen?
Auch Heiratsvermittler und Wahrsager vermitteln vielen Menschen Glück. Zumindest diejenigen, bei denen sie das Geld ihrer Unvermittelbaren ausgeben. Aber was soll es, wenn ein einsamer Komet seinen Schweif nicht mehr unter Kontrolle halten kann, und verzweifelt einen weichen Landeplatz auf „seiner“ Venus sucht…?
Polizisten hätte ich in dieser Galaxie unsichtbarer Sterne fast vergessen. (In Amerika tragen sie wenigstens Sterne auf der Brust) Kein Wunder, hatte ich doch eine lange Zeit ein ziemlich gestörtes Verhältnis mit diesen Herren, doch mit der Zeit und dem fortgeschrittenem Alter (ein „Fortschritt“, denn kein Mensch benötigt) muß (oder sollte) man umdenken. Irgendwie ist ja der Job des Bullen oder Kiberer sehr automatisiert und verlangt einige Voraussetzungen: Man soll nicht sehr viel denken und nicht zu viel bewegen. (nicht körperlich gemeint, sondern gesellschaftlich!) Überspringen wir den Raum- und Zeitfaktor und landen kurz als „Aliens“ in der „guten“ alten Zeit:
Bis heute schafften es viele Polizisten, wie auch Militärs, im Laufe ihrer Dienstzeit auf vier verschiedene Repräsentanten der jeweiligen Macht angelobt zu werden. Sie schworen Kaiser Franz Joseph, Kaiser Karl, dem Ständestaat und schließlich Adolf Hitler die Treue zu halten. Manche schafften auch noch den Schwur auf die zweite Republik Österreich.
Beamen wir wieder auf die Erde zurück….
Auf Befehl, den bisherigen Freund als politischen Feind oder umgekehrt zu sehen, wäre für mich nicht nachvollziehbar. Genausowenig einen Menschen zu schützen, den ich persönlich als Feind der Menschheit ansehen würde. Ich könnte auch nicht gegen einen Demonstranten vorgehen, der den Bau von Atomkraftwerken verhindern will oder gegen Tierquälerei protestiert. Na ja, hatte ich scheinbar doch Glück, kein Polizeibeamter zu werden, auch wenn Ordnung sein muss. Zumindest im Haus, (nicht das siebte „Haus“ aus Hair, wenn es im Zeichen des Wassermannes steht) wie unser ehemaliger Hausmeister zu sagen pflegte.
Also rundherum wird von Polizisten be- auf- und gewacht.
Tag und Nacht. Bei Sturm, Regen, Hagel, Schnee und Sonnenschein. Sie strecken bei jedem Wetter ihre schnüffelnden Nasen in den Wind, nehmen Witterung auf und markieren trotzdem keine Ecke. Auch keinen Baum oder Laternenpfahl.
Unsere Polizei. Dein Freund (meiner weniger) und dein Helfer!
Die letzten Ritter des Atomzeitalters. Die sagenumwitterten Helden unzähliger Kottan-Folgen und Tatortsendungen. Die grüngewandeten Jäger im Großstadtdschungel. Sei es auf der Pirsch nach falsch geparkten Autos oder abgelaufenen Pickerln. Sie halten diese Monster auf vier Rädern im Zaum, lauern ihnen an Kreuzungen und unübersichtlichen Stellen auf, und ziehen blitzschnell.
Ihre Schlüsse wie „Aha, jetzt hab ich ihn“ (oder sie) und zieht den Schreibblock wie einst Billy the Kid den Colt…
Auch der Kuli sitzt locker bei diesen rauhen Gesellen.
Doch sie kommen auch anderen Aufgaben nach. Sehr gefährlichen.
„Radio Blödsinn“ war dabei, als Revierinspektor Herbert D. nach einer anstrengenden Nacht Zeit fand, über seinen harten, aufopfernden Job zu plaudern.
Doch vorher noch eine Werbeeinschaltung.
„Dies ist eine belangte Sendung des Innenministeriums. Wenn Sie das nächste mal von einem freundlichen Polizisten aufgehalten werden, weil Sie nicht angeschnallt im Auto sitzen oder vielleicht eine alte Frau betrunken überfahren haben, schauen Sie dem Gesetzeshüter doch einmal in die müden Augen, in ein von Sparpakete gezeichnetes Gesicht. Betrachten Sie die vom vielen Schreiben geschwollenen Finger und die platten Füße vom vielen Laufen! Dann werden Sie keine goldene Brille vor seinen übermüdete Augen, kein protziges Ringerl auf den schwieligen Händen und kein Goldketterl am verkropften Hals sehen! Warum? Sie kassieren Strafen und dürfen nicht einmal ein paar Prozente für sich behalten, wie es jeder Kellner darf! Schluß mit dieser kriminellen Diskriminierung von „Kriminellen-Betreuern“. Darum machen sie mit bei der Aktion „Ein Herz für Polizisten!“ von „Radio Blödsinn“. Da unsere Beamten trotz Unterbezahlung ihrer gefährlichen und anstrengenden Tätigkeit für unser aller Wohl nachkommen, ersuchen wir Autofahrer und Randalierer bei der Bezahlung ihrer Strafe eine kleine, angemessene Spende beizufügen.
Auch der Polizist, der Sie gerade beim Schnellfahren oder Ladendiebstahl ertappte, hat eine Familie. Er geht einem Hobby nach und hat finanzielle Sorgen und Probleme. Wie vielleicht auch Sie.
Zaubern Sie doch ein Lächeln der Freude in sein trauriges Gesicht. Zeigen Sie ihm ihr Verständnis und applaudieren Sie mal, oder klopfen Sie ihm ruhig einmal anerkennend auf die gebeugten Schultern. Auch wenn er Ihr Auto abschleppen läßt oder Sie anzeigt. Als Ordnungshüter, das sagt schon der Name, muß er ja für Ordnung sagen. Er steht doch nicht gerne im Winter in einem Schneehaufen und schreibt mit klammen Fingern ein Strafmandat! Diese Männer suchen Anerkennung und wollen für ihren Fleiß belohnt werden. Sie kommen nur ihrer Pflicht nach und opfern oft ihr Familienleben für uns und sichere Straßen.
Wenn der Beamte Ihre Alkoholprobleme nicht versteht, laden Sie ihn ruhig einmal auf ein Glaserl Wein oder auch mehr ein! Zeigt er sich bei Drogenproblemen verständnislos, rauchen Sie doch einfach ein Jointerl mit ihm. Er wird jede Einladung dankbar annehmen.
Der Beamte versteht nicht, warum Sie einbrechen gehen? Zeigen Sie ihm ein Foto mit ihrer hungernden und frierenden Familie und teilen Sie brav die Beute mit ihm ab, dann kann auch dieses Mißverständnis behoben werden.
Nur bei Raub, Mord und Sexualdelikten ersuchen wir Sie die Sensibilität unserer Beamten zu beachten.
An dem Problem wird aber von Psychologen bereits gearbeitet.
Dein Polizist zum Angreifen. (Nicht tätlich!) Dein Kiberer, Dein Kumpel!
Also spenden Sie fleißig. Damit die Polizei auch noch morgen helfen kann.
Das war eine Belangsendung des Innenministeriums. „Radio Blödsinn“ übernimmt dafür keine Verantwortung. Wenn jetzt einer ins „Häfen“ muß, ist es ganz alleine der Autor“
Zwischen Chefreporter Blödmann und Starreporter „Mad“ Bock entsteht eine lautstarke Auseinandersetzung, die in einer Rauferei endet. Keiner will die Belange für die Belangsendung übernehmen, um nicht belangt zu werden.
Eben schrie einer der beiden nach der Polizei…
Wir schalten unterdessen in ein einsames Wachzimmer zu einem noch einsameren Polizisten.
Copyright Freddy Rabak

2 Kommentare zu „Leseprobe aus Freddy Rabak`s Buch „Adieu Rotlicht-Milieu““

  1. Freddy, die Motorradfahrer oder Biker,* DIE ECHTEN* hast du vergessen.
    Jene die selbstlos nicht an Schlaf denken, die mit offenen Auspuffrohren so gegen halbvier- vier Uhr Morgens so im mittleren Drehzahlbereich mit sonorem Klang durch die Gassen donnern und dadurch vielen Menschen ein Verschlafen und zu spätes Erscheinen am Arbeitsplatz verbunden mit einer strengen Ermahnung ersparen. Dieser Spezies solltest du besonderen Dank sagen, leistet sie doch für die Wirtschaft, abgesehen von Umsatzsteigerung an der Zapfsäule, besonderes.

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