LESEPROBE: Neulich, als ich in der Badewanne lag…


Neulich, als ich in die angenehm warme und aromatisch nach chemischen Blümchen duftende Badewanne mit weißen Schaumkronen stieg, fühlte ich mich Pudelwohl. Obwohl eigentlich niemand weiß, ich glaube nicht einmal der Konstrukteur dieses Wortes hatte eine Ahnung davon, wann, oder wo und bei was sich ein Pudel „Pudelwohl“ fühlt.

Besonders seit diese Rasse nicht mehr das ist, was sie eigentlich vor Jahrzehnten war: Ein oft als „Schlecksi“ titulierter Hund, der einfach in jeden Haushalt einer halbwegs gut situierten Prostituierten, die etwas auf sich hielt, gehörte. Was heute für viele Leute der böse und aggressiv geltende Kampfhund ist, nämlich ein „Statussymbol“ von Kleinganoven, war in den 70/80ern ein herziger Zwergpudel. Besonders die in Aprikosenfarben gezüchteten. (Wie meine süße „Gigi“ in den 70ern. Da war auch das gleichnamige Musical ein Hit).
Heute wäre eher der Ausspruch „ich fühle mich Chihuahua-wohl“ dem Trend entsprechender.
Während sich meine Gedanken über Pudel, Kampfhunde und Chihuahuas in meinem Gehirn zu einer Geschichte formatierten, saß ich schon in der warmen, weißen Pracht des Badewassers und begann im angenehm warmen Wasser verspielt zu plätschern. Dann tauchte ich kurz unter, dann wieder auf, um gleich darauf wieder auf Tauchstation zu gehen. Ich lauschte entzückt dem blubbernden Geräusch eines kleinen Furzes, der auf der Flucht ins Freie seinen Weg an die Oberfläche suchte. Auftauchend merkte ich, dass ein Unterwasser-Schas ganz anders stinkt. Werde mal im Internet googeln und einem Furz-Experten die Frage stellen oder vielleicht sogar eine Studie erstellen.
Doch zum Glück hat auch Gestank ein kurzes Leben und ich schloss entspannt die Augen, um sie nach wenigen Minuten erschreckt aufzureißen:
Ich muss auch dringendst pinkeln!
Nun blieben mir drei Möglichkeiten. Eine wäre, verspannt und schlecht gelaunt im Wasser sitzen zu bleiben. Die andere, den „Waschgang“ und das Duschen im beschleunigten Verfahren abzuschließen.
Kompromisse gibt es kaum. Zornig über mich selbst, das Brunzen nicht schon vorher erledigt zu haben, überlegte ich, aus der Wanne zu steigen, um endlich, als eingeschworener „Sitzpinkler“, mein Geschäft in jener Muschel zu erledigen, die dafür geschaffen wurde…
(Früher war ich übrigens eingefleischter Waschbecken-Brunzer. Da konnte ich das entspannte Zumpferl danach auch gleich unter Fließwasser reinigen).
Die dritte Möglichkeit wäre, einfach ins Badewasser zu schiffen und entspannt in der besonderen Mischung, man könnte es auch eine Lauge aus Urin, Badewasser und chemischen „Allzweckreinigern“ für Haare und Körper nennen,  so richtig zu relaxen und von einem Pool mit blauen Wasser zu träumen, weil in dem Pool blaue Fliesen verlegt sind. Aber auch da pinkeln die allermeisten Leute rein. Wie auch in die ach so blaue Donau…
Aber Urin ist nach manchen Erkenntnissen nicht ungesund. Manche Anhänger natürlicher Medizin gurgeln sogar mit frischem Eigenurin. (Nur Leute, die an Diabetes leiden, finden ihn etwas zu süß). Im Knast verwendeten wir frische Brunze zum Desinfizieren der Wunden beim tätowieren, aber auch schon Soldaten an diversen Fronten benutzten dieses natürliche „Antibiotikum“ bei Verwundungen, denn Urin ist auch ein uraltes Heilmittel. Schon der alte Hippokrates (um 460 v. Chr.; † um 370 v. Chr. ) empfahl Urin als Therapeutikum.
Jedenfalls scheint Urin gesünder als das wundertätige Wasser von Lourdes zu sein, das eine gewisse Maria angeblich zum Waschen und Trinken empfohlen hat.
Viele Souvenirhändler sind ihr noch heute dankbar dafür. Da frage ich mich schon: Warum hat sie eine sehr entlegene Gebirgsquelle mit heilender Wunderkraft ausgestattet? Eine Quelle unter vielen, die laut Analysen wie jede andere ihrer „Kolleginnen“ abschneidet, die irgendwo raussprudeln und heute oft als „Wallfahrtsorte“ für „Thermen-Pilger“ dienen, die einfach nur relaxen wollen. Hätte Mary (hört sich doch schöner als Maria an) zum Beispiel ihre Erscheinung an der Wiener Hochquellwasserleitung ordentlich getimt, würden täglich Millionen WienerInnen ihr Wunderwasser direkt und billig ins Haus geliefert bekommen. Das wäre doch deutlich effizienter, aber würde vielleicht auch die Jobs und Existenz vieler Hausärzte in so einer Wunderwelt gefährden…
Ich werde also weiter im chlorierten, eventuell mit Arsen und durch Gülle bereicherten Ammoniak-Emissionen versetzten Wasser planschen und gleichzeitig meine Haut gründlich desinfizieren: Mit von mir produziertem, hochwertigem Urin…..fast mit Bio-Gütesiegel!
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